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Kleiner Waffenschein: Sicherheit oder Risiko?

Verantwortlicher Autor: Oliver Klas Deutschland, 27.03.2024, 19:43 Uhr
Presse-Ressort von: Oliver Klas Bericht 6131x gelesen

Deutschland [ENA] In Deutschland ist das Sicherheitsgefühl vieler Menschen in den letzten Jahren stark gesunken, was zu einer verstärkten Nachfrage nach Selbstschutz geführt hat. Dies zeigt sich deutlich im Anstieg der Anträge auf den kleinen Waffenschein. Im Jahr 2022 besaßen knapp 781.000 Personen dieses Dokument, während es im Folgejahr bereits über 834.000 waren, was einem Zuwachs von rund 53.000 neuen Genehmigungen entspricht.

Der kleine Waffenschein berechtigt dazu, Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen mit sich zu führen, jedoch unter strengen Auflagen. Interessenten müssen mindestens 18 Jahre alt sein, einen festen Wohnsitz in Deutschland haben und ihre Zuverlässigkeit sowie persönliche Eignung nachweisen. Dies schließt unter anderem das Fehlen von Vorstrafen über 60 Tagessätze, keine Drogenprobleme und keine Mitgliedschaft in verfassungsfeindlichen Organisationen ein. Behörden prüfen dies anhand des Bundeszentralregisters, des zentralen staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregisters sowie durch Stellungnahmen von Landeskriminalamt und Verfassungsschutz.

Unkompaktheit von Reiz- und Schreckschusswaffen

In Deutschland ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Reiz- und Schreckschusswaffen das Zeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) tragen müssen. Diese Kennzeichnung dient als Garantie für die Einhaltung bestimmter Sicherheitsstandards und technischer Anforderungen. Beim Erwerb einer solchen Waffe sollten potenzielle Käufer jedoch nicht nur auf das PTB-Zeichen achten, sondern auch berücksichtigen, dass diese Waffen nicht nur ein gewisses Gewicht haben, sondern auch sehr unhandlich sind. Ihre Unkompaktheit bedeutet, dass sie sich nicht einfach überall verstauen lassen und eine gewisse Vorsicht beim Transport erfordern.

Einschränkungen/Sicherheitsbedenken von Schreckschusswaffen

Die Genehmigung zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen mittels des kleinen Waffenscheins unterliegt strengen Auflagen und Einschränkungen, die nicht nur die Besitzer, sondern auch die Öffentlichkeit betreffen. Während der kleine Waffenschein das Mitführen dieser Waffen erlaubt, ist das tatsächliche Abfeuern in der Öffentlichkeit (auch Silvester) strikt untersagt, außer in klar definierten Notwehrsituationen. Diese Beschränkung dient dem Schutz der öffentlichen Sicherheit und soll potenzielle Missbräuche oder fahrlässige Handlungen verhindern.

Besondere Vorsicht ist auch geboten in Bezug auf öffentliche Veranstaltungen, Demonstrationen, Sportereignisse sowie andere Orte, die als Waffenverbotszonen gelten. Das Mitführen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen ist hier ausdrücklich verboten und unterstreicht die Notwendigkeit, sensible Bereiche vor potenziellen Gefahren zu schützen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Risiko von Zwischenfällen zu minimieren und die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

Die Ähnlichkeit von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen mit scharfen Schusswaffen stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Insbesondere in stressigen oder gefährlichen Situationen kann es zu Verwechslungen kommen, sowohl seitens der Öffentlichkeit als auch der Strafverfolgungsbehörden. Selbst erfahrene Beamte können in solchen Momenten Schwierigkeiten haben, eine Reiz- und Schreckschusswaffe von einer echten Feuerwaffe zu unterscheiden. Diese Verwechslungen bergen die Gefahr unnötiger Panik, übermäßiger Reaktionen oder sogar gefährlicher Konfrontationen, die die öffentliche Sicherheit gefährden könnten.

Alternativen zu Reiz- und Schreckschusswaffen

In Anbetracht der Unkompaktheit, Sicherheitsbedenken und gesetzlichen Einschränkungen, die mit dem Besitz und der Nutzung der Reiz- und Schreckschusswaffen einhergehen, suchen viele Bürger nach alternativen Möglichkeiten, sich zu schützen. Zwei der prominentesten Alternativen sind CS-Gas-Spray und Pfefferspray (Tierabwehrspray), die beide ihre eigenen Vor- und Nachteile haben.

CS-Gas-Spray

CS-Gas-Spray, auch bekannt als Tränengas, ist eine weit verbreitete Option für Personen, die nach einem wirksamen Mittel zur Selbstverteidigung suchen. Dieses Spray verursacht starke Reizungen und Schmerzen in den Augen, Atemwegen und auf der Haut, was es zu einer effektiven Abschreckung gegen potenzielle Angreifer macht. Eine wichtige Voraussetzung für die Verwendung von CS-Gas-Spray ist jedoch, dass es eine offizielle Zulassung des Bundeskriminalamts (BKA) besitzen muss. Diese Zulassung gewährleistet, dass das Spray den gesetzlichen Anforderungen entspricht und nur im Verteidigungsfall gegen Menschen eingesetzt werden darf. Das Mindestalter für den Erwerb und Besitz von CS-Gas-Spray beträgt 14 Jahre.

CS-Gas-Spray ist klein, handlich, passt in die Hosentasche und ist leicht zu bedienen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, das CS-Gas-Sprays dem Waffengesetz unterliegen und das, ähnlich wie beim mitführen von Reiz- und Schreckschusswaffen, auch hier bestimmte Einschränkungen gelten, insbesondere hinsichtlich des Mitführens in der Öffentlichkeit und in bestimmten Veranstaltungsbereichen. Das Tragen von CS-Gas-Spray in bestimmten öffentlichen Veranstaltungen wie Demonstrationen, Sportveranstaltungen, Konzerten und Waffenverbotszonen ist untersagt.

Pfefferspray (Tierabwehrspray)

Eine weitere beliebte Alternative ist Pfefferspray, das als Tierabwehrspray gekennzeichnet ist. Pfefferspray hat ähnliche Effekte wie CS-Gas-Spray, indem es Reizungen und Schmerzen in den Augen, Atemwegen und auf der Haut verursacht. Es ist nicht nur klein, handlich und leicht zu bedienen wie das CS-Gas-Spray, sondern zudem auch frei verkäuflich, unterliegt nicht dem Waffengesetz und hat kein Mindestalter für Erwerb und Gebrauch. Dies macht es zu einer zugänglichen Option für Personen, die nach einem einfachen und effektiven Mittel zur Selbstverteidigung suchen.

Im Gegensatz zu CS-Gas-Spray ist Pfefferspray jedoch nicht speziell für den Einsatz gegen Menschen zugelassen. Es darf nur gegen Tiere verwendet werden, es sei denn, es liegt eine Notwehr- oder Notwehrhilfesituation vor, in der der Einsatz gegen Menschen gerechtfertigt ist. Da Pfefferspray, welches als Tierabwehrspray gekennzeichnet ist, nicht dem Waffengesetz unterliegt, darf es im Grunde überallhin mitgenommen werden, auch in die sogenannten Waffenverbotszonen. Es ist jedoch wichtig, die gesetzlichen Bestimmungen und regionalen Vorschriften zu beachten, da die Verwendung und Mitnahme von Pfefferspray in einigen Bereichen möglicherweise dennoch eingeschränkt ist.

Abschließendes Fazit

Die Zunahme von kleinen Waffenscheinen und die Beliebtheit von Reiz- und Schreckschusswaffen in Deutschland reflektieren eine wachsende Nachfrage nach individuellem Schutz in einer Gesellschaft, die zunehmend Unsicherheit empfindet. Während die strengen Genehmigungsverfahren sicherstellen sollen, dass diese Waffen verantwortungsbewusst genutzt werden, bleiben Sicherheitsbedenken bestehen, insbesondere in Bezug auf potenzielle Missverständnisse und Verwechslungen mit echten Feuerwaffen. Die Diskussion um alternative Mittel zur Selbstverteidigung wie CS-Gas-Spray und Pfefferspray verdeutlicht die Notwendigkeit einer ausgewogenen Herangehensweise, die individuelle Sicherheitsbedürfnisse berücksichtigt, ohne dabei die öffentliche Sicherheit zu.

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